Wie geht eine schwarz-grüne Zukunft (2050)?

Einen OpenSpace4Future zu diesem Thema veranstalten wir am Montag, 11.11.2019, 18 Uhr auf Skype aus Anlass der österreichischen Koalitionsverhandlungen. Die Diskussion wird live via Periscope gestreamt, mitdiskutieren kann man auf Twitter unter dem Hashtag #zukunftstaucher.

Ende 2015 hat die internationale Staatengemeinschaft in Paris beschlossen, den Treibhausgasausstoß der Welt so zu beschränken, um eine globale Klimakrise zu verhindern. Die Erderwärmung soll auf unter zwei Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzt werden, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad. Das ist die Zukunft, um die es ökologisch geht.

Aber geht das auch ökonomisch? Darum geht es ganz aktuell in der österreichischen Politik, in der die konservative ÖVP vermutlich ab Montag mit den Grünen über eine mögliche Koalition verhandelt. Beide Parteien geben sich zukunftsorientiert. Die einen eher wirtschaftlich, die andern mit einem Schwerpunkt auf das Thema „Klimaschutz“. In ÖSterreich sprechen wir gemäß den Parteifarben von einer „türkis-grünen“ Koalition. Geht das zusammen?

In dem vom österreichischen Klimafonds geförderten Projekt meetPASS haben wir in den letzten 2 Jahren gezeigt, dass ohne eine ambitionierte Energie- und Ressourcenwende im Business as usual zu erwarten ist, dass die CO2-Emissionen bis 2050 um 38% steigen würden (+3 % pro Kopf). Bei Zugrundelegung der Obergrenze von 770 Gt weltweit, 120 GT in Europa und einer GT in Österreich verblieben somit nur mehr zehn Jahre für die Erreichung vollständiger CO2-Neutralität.

Die Berechnungen unserer Kollegen von der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) in Osnabrück zeigen, dass dadurch die CO2-Emissionen global um 73 %, pro Kopf sogar um 78 % auf 1 Tonne im Jahr 2050 sinken könnten. Die kumulierten, weltweiten CO2-Emissionen über die Periode 2017-2050 ließen sich demnach – rasche und weitreichende Veränderungen des Handelns vorausgesetzt – auf rund 650 Gt begrenzen.

Was global notwendig ist

Die Modellierungsergebnisse zeigen, dass eine deutliche Beschleunigung und Ausweitung der Klimaschutzmaßnahmen notwendig sind, und das global. Die dafür notwendigen Investitionen belaufen sich für die EU zwischen 2020 und 2050 auf durchschnittlich über 120 Mrd. Euro pro Jahr.

Die erforderliche Energiewende muss begleitet werden durch eine ambitionierte Ressourcenwende, mit dem Ziel, Kreisläufe zu schließen, um primäre Ressourcen zu sparen. Zusätzlich ist ein Wandel der Ernährungsgewohnheiten für die Erreichung der Klimaziele unverzichtbar.

Aus globaler Perspektive ist eine Reduktion des Fleischkonsums außerdem notwendig, um die Abholzung, den Land- und Wasserverbrauch und letztlich auch den Hunger langfristig zu vermeiden. Auch über das Thema Ernährung hinaus kann der notwendige Wandel nur gelingen, wenn nicht nur eine kleine Minderheit die heutigen Paradigmen des materiellen Konsums durch nachhaltige Konsum- und Lebensstile ersetzt, sondern sich dieser Wandel mehr und mehr als Mainstream durchsetzt.

Auch für Österreich enthält meetPASS Maßnahmen, die auf Energie- und Ressourcenverbrauchsreduktionen, Effizienzsteigerungen, einen Ausbau erneuerbarer Energie, sowie Verhaltensveränderungen abzielen und in den Sektoren Energie, Transport, Gebäude, Industrie und bei den privaten Haushalten ansetzen. Sowohl Informationskampagnen und Beratung als auch Regulierungen und Maßnahmen, die über den Preis wirken, sind wesentliche Elemente dieses meetPASS-Szenarios. Details über die Maßnahmen finden sich im „Policy Brief“ unter http://meetpass.at/publikationen/ sowie in den dort gespeicherten Working Papers.

Damit würden die kumulierten CO2-Emissionen das für Österreich errechnete CO2-Budget trotz der starken Reduktion um 170 Mio. Tonnen überschreiten, was einer gerechten globalen Verteilung der CO2-Emissionen widerspräche. Im österreichischen meetPASS-Szenario wurden zwar im Vergleich zum globalen Szenario zusätzliche Maßnahmen (z.B. stärkerer Ausbau des Schienennetzes, stärkerer Ausbau der E-Mobilität, schnellere Umsetzung einer auf 100% erneuerbarer Energie beruhenden Stromversorgung) angenommen. Diese sind jedoch nicht in der Lage, die kumulierten Emissionen auf das notwendige Niveau zu reduzieren, um das verbleibende CO2-Budget nicht zu überschreiten. Weitere Maßnahmen (wie z.B. die Reduktion des Fleischkonsums, die sich im meetPASS-Szenario für Österreich nicht abbilden ließ) wären erforderlich.

Denkbar ist auch eine allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit ohne vollen Lohnausgleich, die letztlich auch zu weniger Konsum, weniger Wachstum und damit auch weniger CO2-Emissionen führen würde, was laut Studien von vielen Menschen in Österreich durchaus gewünscht wäre.

Die Auswirkungen des meetPASS-Szenarios auf die globalen Nachhaltigkeitsziele der UN (SDGs) sind dabei weitgehend vorteilhaft. Neben zahlreichen positiven Synergien lassen sich auch Zielkonflikte in Bezug auf die soziale Verträglichkeit erkennen, die es durch Begleitmaßnahmen zu vermeiden gilt.

Die erforderliche Transformation ist eine Herkulesaufgabe. Sie wird aber, wenn sie auf einer kontinuierlichen Veränderung der wichtigsten Faktoren (Preise, Investitionen, Verhalten) über die nächsten 30 Jahre (bis 2050) basiert, das ohnehin als gering zu erwartende Wachstum des BIP nicht zusätzlich schwächen. Eine sozial-ökologische Steuerreform erhöht die (Ressourcen-)Produktivität ebenso wie die Wettbewerbsfähigkeit und die erforderlichen Investitionen wirken über den dadurch ausgelösten Multiplikatoreffekt „expansiv“, erhöhen also das BIP.

Auch wenn andere Maßnahmen eines erforderlichen Mixes – ganz ähnlich dem, wie er auch im Referenzplan der österreichischen Klimaforscher vorgeschlagen wird (und meetPASS daher darin auch mehrmals zitiert wurde) – diese Effekte konterkarieren, so ist der Gesamteffekt deutlich positiv – und zwar in Österreich, in Europa und weltweit.

Natürlich wird dieses Wachstum ein anderes sein als im Business as usual und möglicherweise pro € auch mit einer höheren subjektiven Lebensqualität verbunden. Und in jedem Fall liegt das Wachstum der nächsten drei Jahrzehnte deutlich unter dem der vergangenen 30 Jahre (um die 1% für Österreich und die EU bzw. 3% global).

Foto: Fritz Hinterberger, cooppa


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